About the Series
Editor: PD Dr. Günter Feuerstein
ISSN 1614-6441
Die Geschichte der deutschen Gesundheitspolitik zeigt sich seit Jahrzehnten als Geschichte gescheiterter Reformversuche. Das gilt gleichermaßen für die zahlreichen Konzepte zur Kostendämpfung wie für Eingriffe in finanzielle und organisationale Strukturen der Mittelaufbringung. Fast noch wirkungsloser scheinen jedoch alle politischen Bemühungen, externen Einfluss auf Strukturen des medizinischen Leistungsangebots und Versorgungsgeschehens zu nehmen. Interventionen verfehlen regelmäßig die Komplexität des Systems, scheitern an der Vielschichtigkeit seiner internen Steuerungsmechanismen und dem Einfluss machtbesetzter Umweltbeziehungen, speziell der Ökonomie, der Wissenschaft, der Moral.
Vor diesem Hintergrund ist es zwar immer wieder interessant, institutionalisierte Gesundheitspolitik zu beobachten und in ihrer Wirkungsgeschichte zu analysieren. Um dem Gesundheitswesen als einem vielschichtig vernetzten Multiakteursystem gerecht zu werden, greifen Studien mit traditionellem Politikverständnis jedoch zu kurz. Gesundheitspolitisches Handeln vollzieht sich auf nahezu allen Ebenen des medizinischen Versorgungssystems, und es vollzieht sich vor allem auch neben und gegen die Intentionen und Interventionen des politischen Systems. Wichtige Strukturbildungen sind meist das Ergebnis vielschichtiger, komplexer Aushandlungsprozesse, die durch entstehende Spannungen im System oder wissenschaftlich-technische Innovationen angestoßen und präformiert werden. Das heißt, auch innerhalb des Gesundheitswesens gibt es kein Machtzentrum, das alleinigen Einfluss auf die Konstruktion und Entwicklung der Versorgungsstrukturen ausüben kann. Steuerungswirkungen, die durch systeminterne Dynamiken, System-Umwelt-Interaktionen, Machtstrukturen und Interessenkonflikte entstehen, werden in der modernen Politikanalyse am ehesten noch durch "Governance"-Ansätze repräsentiert. Soziologen gehen in ihrem Politikverständnis hier allerdings noch einen Schritt weiter, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf das Phänomen der "Mikropolitik" richten - einer Politik, die von den eigentlichen Akteuren einer Organisation, eines Systems ausgeht, betrieben und durchgesetzt wird.
Ziel der Reihe GESUNDHEITSPOLITIK ist es daher, vor allem auch Arbeiten ein Forum zu eröffnen, die ihren Blick auf gesundheitspolitische Einflussfaktoren, Dynamiken und Weichenstellungen jenseits des traditionellen Politikverständnisses richten.
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ISSN 1614-6441
Die Geschichte der deutschen Gesundheitspolitik zeigt sich seit Jahrzehnten als Geschichte gescheiterter Reformversuche. Das gilt gleichermaßen für die zahlreichen Konzepte zur Kostendämpfung wie für Eingriffe in finanzielle und organisationale Strukturen der Mittelaufbringung. Fast noch wirkungsloser scheinen jedoch alle politischen Bemühungen, externen Einfluss auf Strukturen des medizinischen Leistungsangebots und Versorgungsgeschehens zu nehmen. Interventionen verfehlen regelmäßig die Komplexität des Systems, scheitern an der Vielschichtigkeit seiner internen Steuerungsmechanismen und dem Einfluss machtbesetzter Umweltbeziehungen, speziell der Ökonomie, der Wissenschaft, der Moral.
Vor diesem Hintergrund ist es zwar immer wieder interessant, institutionalisierte Gesundheitspolitik zu beobachten und in ihrer Wirkungsgeschichte zu analysieren. Um dem Gesundheitswesen als einem vielschichtig vernetzten Multiakteursystem gerecht zu werden, greifen Studien mit traditionellem Politikverständnis jedoch zu kurz. Gesundheitspolitisches Handeln vollzieht sich auf nahezu allen Ebenen des medizinischen Versorgungssystems, und es vollzieht sich vor allem auch neben und gegen die Intentionen und Interventionen des politischen Systems. Wichtige Strukturbildungen sind meist das Ergebnis vielschichtiger, komplexer Aushandlungsprozesse, die durch entstehende Spannungen im System oder wissenschaftlich-technische Innovationen angestoßen und präformiert werden. Das heißt, auch innerhalb des Gesundheitswesens gibt es kein Machtzentrum, das alleinigen Einfluss auf die Konstruktion und Entwicklung der Versorgungsstrukturen ausüben kann. Steuerungswirkungen, die durch systeminterne Dynamiken, System-Umwelt-Interaktionen, Machtstrukturen und Interessenkonflikte entstehen, werden in der modernen Politikanalyse am ehesten noch durch "Governance"-Ansätze repräsentiert. Soziologen gehen in ihrem Politikverständnis hier allerdings noch einen Schritt weiter, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf das Phänomen der "Mikropolitik" richten - einer Politik, die von den eigentlichen Akteuren einer Organisation, eines Systems ausgeht, betrieben und durchgesetzt wird.
Ziel der Reihe GESUNDHEITSPOLITIK ist es daher, vor allem auch Arbeiten ein Forum zu eröffnen, die ihren Blick auf gesundheitspolitische Einflussfaktoren, Dynamiken und Weichenstellungen jenseits des traditionellen Politikverständnisses richten.
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