Luks, Leonid; Dehnert, Gunter; Fuchs, John Andreas; Lobkowicz, Nikolaus; Rybakow, Alexei; Umland, Andreas (Hg.)

FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte


Heft 1/2017



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Russische Revolution als epochale Zäsur

Wenn jemand noch vor einigen Jahren jenen Abgrund vorausgesagt hätte, in den wir jetzt gestürzt sind und in dem wir hilflos zappeln, hätte kein Mensch ihm geglaubt. Selbst die düstersten Pessimisten sind in ihren Voraussagen niemals so weit gegangen, sie sind in ihrer Einbildungskraft nicht bis zum letzten Rand der Hoffnungslosigkeit vorgestoßen, an den uns jetzt das Schicksal geführt hat. Auf der Suche nach letzten Hoffnungsschimmern sucht man unwillkürlich historische Analogien, um daraus Trost und Glauben zu schöpfen. Allerdings sind solche kaum zu finden. […]
Die herrschende einfache Erklärung der Ereignisse, die der „reuige“ russische Durchschnittsintellektuelle jetzt gefunden hat, besteht im Verweis auf die „mangelnde Eignung des Volkes“. Das „Volk“ hat sich dieser Erklärung zufolge aufgrund seiner Unwissenheit und staatlich bedingten Unbildung, die letztlich dasselbe „alte Regime“ zu verantworten hat, als nicht imstande erwiesen, die schönen, von der revolutionären Intelligenz geplanten Reformen zu begreifen und durchzuführen, und hat mit seinem grobschlächtigen, ungeschickten Vorgehen das „Land und die Revolution“ ins Verderben gestürzt. Zu Ende gedacht, enthält diese Erklärung natürlich eine grausame, vernichtende Kritik der gesamten politischen Praxis unserer revolutionären und radikalen Parteien. Was sind das für Politiker, die sich in ihren Programmen und ihren Handlungen an irgendeinem ausgedachten, idealen und nicht an dem real existierenden Volk orientieren!

(Aus dem Beitrag von Simon Frank)


ISSN 1433-4887

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