Hoops von Scheeßel, Jürgen

Mettes Flucht in den Tod


„Das verdächtige Gesicht“

Ein historischer Roman über eine wahre Begebenheit



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Es war später Nachmittag. Die Apothekerfamilie Aldendorfer hatte sich vor ihrem Haus an der schmalen, kopfsteingepflasterten Straße, die parallel zur Vorstadt verlief, versammelt. Georg Aldendorfer, das Familienoberhaupt, war in einem angeregten Gespräch mit dem Rotenburger Küster vertieft, als sie die plötzliche Unruhe, die die Menschen auf der Straße ergriff, aufhorchen ließ. Aldendorfer und der Küster blickten gespannt auf.
Sie erkannten Meister Hans, den hiesigen Henker, der auf seinem kräftigen Rappen aus Richtung der Burg kommend langsam auf sie zuritt. Hans zog einen Strick hinter sich her, einen großen, länglichen Gegenstand über das Steinpflaster schleifend. Als er nur noch einen Steinwurf entfernt war, schnappte Aldendorfer nach Luft; nun konnten er und die Umstehenden erkennen, was Hans so achtlos hinter sich her zog: Einen Menschen, am Hals angebunden, mit zerrissenen Kleidern, blutig geschunden. Schockiert und gleichsam neugierig versuchte Aldendorfer, das Geschehen genauer zu erfassen. Das Geschöpf war eine alte Frau, das erkannte er jetzt, Arme und Beine hingen schlaff am Körper. Die Frau war tot. Regina, Aldendorfers Frau, ließ ein Wimmern ertönen, drehte sich zur Seite und erbrach sich. Sie hatte die Tote erkannt: Es war Mette Meinken.


Mette Meinken, Mutter von Gretge, die als 17-Jährige 1664 wegen 'Hexerei' zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, nahm sich aus Verzweiflung über das Schicksal und aus Angst vor Folter und weiterer Qual im Gefängnis das Leben, als sie selbst ebenfalls der 'Hexerei' angeklagt war.
Jürgen Hoops von Scheeßel gibt Mettes Leben von der Taufe über ihre Hochzeit bis zu ihrem tragischen Tod als packende und anrührende Lebensgeschichte wieder. Dem Leser wird dabei die Bedeutung des Wortes Hexenjagd in ihrer ganzen schrecklichen Tragweite deutlich: Bereits Mettes Großmutter und ihre Mutter waren der 'Zauberei' verdächtigt worden und als "Hexen" verschrien; ihre Tochter wurde als 'Hexe' verbrannt. Sie selbst, zu allem Unglück noch mit einem körperlichen 'Hexenmal' gezeichnet, hatte nur die Aussicht, über kurz oder lang auch selbst ihren mordlustigen, dem Hexenwahn verfallenen Anklägern zum Opfer zu fallen, oder in den Selbstmord zu fliehen.

Der in sich abgeschlossene Roman, der zugleich die Hexen-Tetralogie von Jürgen Hoops von Scheeßel beschließt, lässt auf der Basis der bis heute erhaltenen Gerichtsakten des Hexenprozesses eine Zeit vor uns wieder auferstehen, die von Aberglauben, Denunziation, Vorverurteilungen, boshafter Dummheit und unmenschlicher Grausamkeit geprägt war.
Bei aller mitreißenden Spannung ist der Roman doch zugleich auch eine Mahnung, wie verwurzelt das Unmenschliche im Menschen ist. Die Bedeutung des Begriffs 'Hexe', so wird deutlich, ist darüber festgelegt, dass eine 'Hexe' eben verbrannt werden muss, und zur Hexe wird eine Frau, indem sie verdächtigt wird, eine Hexe zu sein. Ein Verwirrspiel mit Worten, das sich in Form von Gerichtsverhandlungen und Beweiserhebungen den Anschein gibt, etwas mit Rechtlichkeit zu tun zu haben, in Wirklichkeit aber nur schiere Mordlust kanalisiert.

260 Seiten. Paperback. 2012
ISBN 978-3-8382-0229-7


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